Das Ende des Eisenbahntraumes

8. February 2009

Für Generationen von jungen Männern stellte sie einen  Mittelpunkt des jugendlichen Lebens, zumindestens der Weihnachtszeit dar: die Spielzeugeisenbahn. Und hier war es besonders die Firma Märklin, die mit ihren wunderbaren Eisenbahnen die Herzen von Eltern und Kindern eroberte. Dieser Traum ist nun ausgeträumt. Der traditionsreiche Anbieter von Spielzeug-Eisenbahnen hat Insolvenz angemeldet.

Die Zeiten ändern sich

Eine interessantes Thema, denn es ist typisch sowohl für unsere Gesellschaft, die raschen Veränderungen der Sozialstrukturen, wie auch für die Konsequenzen der modernen Finanzwelt in Form von Finanzinvestoren.

Fangen wir an mit dem Produkt, der Spielzeugeisenbahn. Vor 50 Jahren war es unverzichtbar, eine Eisenbahn zuhause zu besitzen. Stundenlang konnten Vater und Sohn gemeinsam mit der Eisenbahn spielen. Heute haben die Männer andere Interessen. Neben dem weiterhin wichtigen Sport hat das Internet eine Rolle übernommen, die keine Zeit mehr für derartige Spielereien erlauben.

Symptome kurieren nutzt nichts

Lange Zeit ist es der Firma Märklin gelungen, durch Konzentration auf hochwertige Sammelstücke die noch vorhandenen Sammler an sich zu binden. Die stagnierenden Umsätze versuchte man mit Schließungen der Produktion und Verlagerung nach Ungarn und China auszugleichen. Allerdings hatte dies auch Qualitätsverluste zur Folge, was diese Zielgruppe nicht mit Begeisterung honorierte.

Vor diesem Hintergrund gab die Familie auf, und verkaufte vor einigen Jahren die Firma an Finanzinvestoren. Allerdings waren diese auch nicht in der Lage, ein geeignetes Konzept für das Überleben des Unternehmens zu entwickeln.

Die Firma verlor eine ganze Menge Geld, die Rede ist von 40.000.000 €, die alleine ausgegeben wurden, Berater zu bezahlen.Konkreter Auslöser war ein Liquiditäts Problem, die Banken weigerten sich ein Darlehen von 50.000.000 € zu verlängern.

Wie immer in einer solchen Situation, schieden sich Eigentümer und Banken die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Dabei kann die Situation eigentlich nicht überraschen. Strukturelle Veränderungen, kombiniert mit einem Mismanagement sind eindeutig Auslöser einer Situation, in der ein unprofessionelle Eigentümer keine Chance hat, in einer Zeit das Unternehmen erfolgreich zu retten.

Insolvenz als Chance für einen Neuanfang

Es ist ganz typisch das Kennzeichen einer Krisensituation, dass die schwachen außer diktiert werden. Und leider muss man sagen, dass Märklin wollte ein schwaches Unternehmen ist. Nicht dass hier erhebliches Potenzial besteht, die Firma zu sanieren und erfolgreich weiterzuführen. Dies setzt allerdings eine vernünftige Unternehmensstruktur voraus, und kein Fass ohne Boden. Die Insolvenz dürfte hier insofern ein Schritt sein, alte Lasten über Bord zu schmeißen und den Neuanfang zu wagen. Wollen wir es hoffen, dass dieser Versuch erfolgreich sein wird.

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