Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet, doch bereits jetzt herrscht Torschlusspanik bei der Abwrackprämie. Ganz Deutschland liegt im Prämienfieber, die Autohäuser können sich vor dem Ansturm nicht mehr retten. Die Krise der Automobilindustrie ist über Nacht ersetzt worden durch eine Krise der Autokäufer.
2500 € die die Welt verändern
Die Idee war simpel und in anderen Ländern bereits erprobt: ein altes Auto verschrotten, ein neues kaufen, damit gleichzeitig die Umwelt schonen und der Industrie helfen. Ein einfaches Konzept, das von den Käufern sofort verstanden wurde. Allerdings scheint der Betrag von 2500 € doch etwas großzügig gewesen zu sein, denn aus dem Bombengeschäft für die Kunden scheint nun ein Bombengeschäft für Händler und Industrie zu werden.
Warteschlangen in Autohäusern
Das gab es schon lange nicht mehr, ein Massenansturm in den Autohäusern. In der Tat ist es derzeit kaum möglich, ein neues Auto zu kaufen. Zumindestens die Hersteller von Kleinwagen haben lange Wartezeiten für ein Beratungsgespräch. Warteschlangen statt leerer Autohäuser – das Gesetz zeigt seine Wirkung. Allerdings ist jetzt höchste Vorsicht geboten, denn der scheinbare Vorteile verspricht sich zum Null-Summen-Spiel zu ändern.
Sinkende Rabatte und steigende Preise
Vor Weihnachten konnte jeder zahlungswillige Käufer mit wenigen Worten in seinem Autohaus einen schönen Rabatt aushandeln. Dem ist nun nicht mehr so. Natürlich gibt es Sonderaktionen, Sondermodelle und Rabatte. Nur sind sie eben nicht mehr so hoch wie früher. Zwar lag im Januar der durchschnittliche Rabatt angeblich immer noch bei 16 % wie im Vormonat, dies dürfte aber nur noch für den Anfang und Mitte des Monats Januar gelten, wo sich die Hersteller und Händler noch nicht umgestellt haben. Der Händlerverband spricht nun auch von Rabatten im einstelligen Bereich. Gleichzeitig nutzen die Hersteller die Chance, die Preise zu hören.
Die Gier straft die Käufer
Letztlich profitieren Händler und Hersteller davon, dass die gierigen Käufer mit der Prämie vor Augen das Rechnen aufgegeben haben. Natürlich ist ein Zuschuss von 2500 € eine attraktive Angelegenheit. Nimmt man aber einem Preis von etwa 20.000 € für einen mittleres Auto an, so sind dies nur etwas mehr als 10 %. Dafür verzichtet man im Gegenzug auch auf einen Wiederverkauf des Autos oder die in Zahlungnahme des Autos.
Fragwürdige Umweltfreundlichkeit
Auch das Argument der Umwelt ist kritisch zu betrachten. Natürlich ist es so, dass eine alte Dreckschleuder mehr Benzin verbraucht und CO2 produziert, als ein sparsamer Neuwagen. Allerdings sollte auch berechnet werden, das für die Produktion eines neuen Wagens erhebliche Ressourcen verbraucht werden, die sicher nicht immer durch die Einsparungen des Neuwagens ausgeglichen werden.
Abwarten ist derzeit die beste Alternative
Wer jetzt noch glaubt ein günstiges Auto plus Rabatt zu erhalten, wird sicher enttäuscht. Das Kontingent von 600.000 Autos ist sicherlich groß genug, um noch für eine ganze Weile zu reichen. Anstelle sich in die Warteschlange einzureihen, sollte man lieber etwas warten. Zumindesten solange das Fahrzeug noch funktioniert, kann es durchaus wirtschaftlicher sein, noch ein Jahr länger zu fahren und die dann mit Sicherheit eintretende Nachfrageschwäche abzuwarten, in der Autohändler wieder Kunden benötigen. Denn eines ist sicher, es handelt sich hier um wesentlichen um vorgezogene Käufe, denen mit Sicherheit eine Nachfragedelle folgen wird. Eile ist jetzt nicht geboten!