Euro und Dollar gemeinsam in der Krise

30. May 2009

Die Welt sitzt in einem Boot - scheinbar. Es scheint unfassbar, das die Weltwirtschaft, Wechselkurse sowie die gesamte Bankenwelt in wenigen tagen in eine existentielle Krise geraten konnten, aber leider war.

Hier ein Umriss eines Prozesses, eine ausgewachsene Krise zu schaffen.

* Stufe 1. Niemand bemerkt oder passt auf das wesentliche Parameter wie Dollar und Hypothekenbelastung den realen Wert verlassen
* Stufe 2. Manche Leute wachen auf, aber sie interessieren sich nicht wirklich oder stellen dies als eine gute Sache hin
* Stufe 3. Die Banken wissen jetzt, dass sie ein Problem haben, aber die Bankiers denken, dass dies der Markt nicht merkt. Es wird für eine Weile ruhig
* Stufe 4. Hypothekenpreise und Kurse fangen an auf extremen Niveau zu stagnieren. Die Märkte antworten nicht mehr auf nette Worte der Verantwortlichen
* Stufe 5. In diesem Schritt sind die Banken gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen.
* Stufe 6. Die Maßnahmen reichen nicht mehr aus, das Problem wird bekannt. Schon jetzt ist es zu spät. Politiker und Bankiers ergreifen zusätzliche Maßnahmen, aber es wird nicht genug sein, und die Finanzmärkte tun nicht, was die vermeintlichen Dompteure dieser Märkte wollen.
* Stufe 7. Zuletzt haben wir eine ausgewachsene Krise, und das gleicht einem Endspiel - aber wieder wird übertrieben und wir beginnen mit Stufe 1 …

Der Staat in der Insolvenz?

22. February 2009

Jeder kennt den Gerichtsvollzieher – vielleicht nicht persönlich, jedoch ist seine Funktion bekannt. Er kommt zu den Menschen die bankrott sind. Er räumte die Wohnung aus, nimmt alle Wertsachen mit, dem Schuldner bleiben nur die Dinge die zum Überleben notwendig sind.

Aber wie sieht es nun bei Staaten aus? Das Unfassbare könnte Wirklichkeit werden. Fast die Hälfte der europäischen Staaten könnte man schon als Pleitekandidaten bezeichnen. Vollmundig haben Politiker ihren Bürgern Staatsgarantien versprochen. Was ist aber nun, wenn so viele Banken pleite gehen, dass der Staat in dieser Situation nicht mehr helfen kann?

Viele Fragen, auf die es leider nur wenige Antworten gibt. Nur eine Antwort ist klar: der Gerichtsvollzieher kann schlecht einen ganzen Staat mitnehmen. Aber sehr wohl gibt es auch für die Situation des Staatsbankrotts gewisse Abläufe. Denn ähnlich wie bei einem normalen Schuldner wird auch der Staat bestehen bleiben.

Es gibt historisch gesehen sogar eine ganze Menge an Vergleichen. Island ist das jüngste Opfer, einige weitere Länder der Europäischen Union stehen auf der Kippe. Bezeichnet werden insbesondere osteuropäische Länder wie Rumänien und Pralinen und Bulgarien, aber neben Island gibt es auch einige weitere Südeuropäischerländer, wo die Verschuldung so hoch ist, dass die Bonität herabgestuft wird.

Ein konkretes Beispiel gibt es auch in jüngster Vergangenheit im Fall Argentinien. Argentinien erklärte 2002 seine Zahlungsunfähigkeit, und stellte die Rückzahlung zahlreicher Anleihen ein. Schließlich bot sie ihren Gläubigern eine Rückzahlung zu einem wesentlich geringeren Wert an.

So grausam es klingen mag, dieses Szenario ist auch in der heutigen Situation für Länder wie Deutschland in den Bereich des Denkbaren gerutscht. Durch die enge Vernetzung von Deutschland und den hohen Exportanteil reicht es wahrscheinlich aus, wenn ein größerer Staat ins Wanken gerät. Ähnlich wie bei der derzeitigen Krise würden global gesehen die Geldströme zum Erliegen kommen.

In dieser Situation wird voraussichtlich nichts anderes übrig bleiben, als durch einen radikalen und schnellen Währungsschnitt alle Schulden dieser Erde auf einen Streich zu eliminieren. Dies klingt radikal, hat aber in den großen Krisen nach den beiden Weltkriegen sehr schnell wieder wirtschaftliche Stabilität gebracht.

In einer derartigen Situation hilft es nur, sein Vermögen in Sachwerten zu besitzen. Zwar ist es theoretisch denkbar, dass ein Staat auf das Vermögen seiner Bürger zurückgreift, um seine Schulden zu bezahlen, dies wird aber aus politischen Gründen kaum tun können. Insofern ist der Staatsbankrott sicherlich eine harte und letzte Alternative, aber auch für den Bürger besser, als durch langwierige Steuerzahlungen wesentlich höhere Beträge aufzubringen.

Mercedes und BMW rücken in der Krise zusammen

15. February 2009

Die Krise bringt die Erzfeinde zusammen - wobei Feinde sicherlich nicht das richtige Wort war, erbitterte Konkurrenten wäre sicherlich korrekter. Die Gemeinsamkeiten gehen allerdings nicht so weit, dass sie das Außere der Fahrzeuge betreffen könnte. Hier sind sich wohl Mercedes und BMW einig, dass sie jeden Eindruck vermeiden wollen, es sei egal welches Auto man kaufe.

Aber selbst die beiden Großkonzerne sehen die Vorteile, die sich aus einer Zusammenarbeit im technischen Bereich ergeben könnten. Die Entwicklungskosten in der Automobilindustrie sind heute dermaßen hoch, dass selbst globale Unternehmen wie Mercedes und BMW die Last nicht allein schultern wollen. Letztlich - so die sicherlich nicht falsche Argumentation - ist es dem Verbraucher auch egal, ob einzelne technische Geräte bei beiden Autotypen gleich sind. Es wird sicherlich niemand darüber nachdenken, ob beide Marken denselben Rückspiegel benutzen, oder denselben Kühler.

Plattformen haben in der Industrie schon seit langem Tradition. Bisher profitierten allerdings vor allem breit aufgestellte Konzerne wie Volkswagen von dieser Strategie. Bisher war es kein Problem, weil Mercedes und BMW keine Absatzprobleme hatten, und auf der ganzen Welt immer mehr Käufer für ihre Autos fanden. Vor dem Hintergrund der Krise hat sich dies nun innerhalb weniger Wochen geändert.

Allerdings ist es sicherlich nicht so, dass hier von heute auf morgen eine enge Zusammenarbeit möglich wäre. Zu unterschiedlich sind die Modelle, mal abgesehen von den Widerstand der Techniker. In der Tat setzt die Benutzung gleicher Bauteile voraus, dass diese auch passen. Sie wird sicher noch einige Zeit vergehen, bis sich die Vorteile in echten Einsparungen widerspiegeln.

Trotzde, bleibt beiden Konzernen auch kaum eine andere Wahl, als drastisch auf die Kosten Sparpotenzial zu drücken. Die Aktienkurse beider Unternehmen haben sich binnen Jahresverlauf mehr als halbiert, die Nachfrage ist dramatisch eingebrochen. Mit der Nachfrage trifft dies auch den Gewinn - im dritten Quartal 2008 ist bei Mercedes der Gewinn im Bereich Personenwagen um mehr als 90 % zurückgegangen.

Das Geschäft mit Kleinwagen, beide Unternehmen sind dort mit dem Smart beziehungsweise den Mini Cooper aktiv, dürfte kaum die Einbrüche im Kerngeschäft ausgleichen. Hierzu ist die Konkurrenz in diesem Segment zu erbittert, und der Erlös pro Auto zu niedrig.

Es bleibt allerdings offen, ob diese Entwicklung wirklich grundsätzlich etwas anderen schlechten Zahlen ändern wird. Letztlich wird die Automobilindustrie nur von einer Erholung der Konjunktur und der Nachfrage profitieren können.

Kaupthing Kunden warten immer noch Geld

11. February 2009

Schon fast ein halbes Jahr ist vergangen seitdem die isländische Bank Kaupthing Insolvenz anmelden musste. Immer mehr zeichnet sich ab, dass damit der gesamte Stadt Island in die Pleite gerutscht ist. Der isländische Staatspräsident hat nun weitere Verwirrung ausgelöst durch seine Äußerung:” die Deutschen müssen begreifen, dass die Menschen Island alles verloren haben”.
In der Tat stellt sich die Frage, wie der kleine Stadt Island seine Schulden bezahlen soll. Die drei Großbanken (inzwischen alle verstaatlicht) verfügen über eine Bilanzsumme von 160 Mrd.$, ein Vielfaches der jährlichen Wirtschaftsleistung von Island. Jeder Isländer sitzt inzwischen auf eine halbe Million Dollar Schulden.

Vor diesem Hintergrund erscheint Äußerungen des deutschen Finanzministeriums, man rechne weiter mit einer Entschädigung, zumindest zweifelhaft. Obwohl in der Tat wahrscheinlich doch der deutsche Steuerzahler die Schulden der Isländer zumindestens teilweise begleichen wird.

Noch besteht Hoffnung, es sind Guthaben bei der DZ-Bank vorhanden, auch die bereits erfolgte Abwicklung in anderen Ländern wie Finnland, Norwegen und Österreich spricht dafür, dass sicher noch etwas bewegen wird.

Allerdings zeigt sich deutlich, dass Krisenfall auch die Anlage in Staatsanleihen oder staatlich garantierten Investmentprodukten nicht dafür schützen kann, sein Investment ganz oder teilweise zu verlieren.

Deutsche vermissen gerechte Verteilung

10. February 2009

Die soziale Marktwirtschaft bildete lange Zeit die Garantie dafür, einen Ausgleich der Interessen zwischen Arm und Reich zu schaffen. Sicherlich bildete dieses Modell Grundlage für den jahrzehntelangem wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik Deutschland, und die damit verbundene politische Stabilität.

Eine neue Untersuchung, das Institut für Gesellschaft und Politikanalyse der Universität Frankfurt durchgeführt hat, belegt aber, dass dieser Frieden zunehmend gefährdet ist. Fast 80 % der Befragten sahen einen starken Konflikt zwischen Arm und Reich in Deutschland, vor 10 Jahren noch war der Anteil ein Drittel niedriger.

Wobei grundsätzlich die Menschen akzeptieren, dass Bezieher höherer Einkommen auch in bestimmten Bereichen Vorteile haben sollen. So bejahten es fast 80 %, dass ein höheres Einkommen auch eine bessere Wohnung zufolge hat, und etwa 70 % akzeptierten höhere Renten für höhere Einkommen.

Interessant ist, dass mehr als 80 % gute Beziehungen als entscheidend für einen höheren Lebensstandard ansehen, wesentlich mehr als mit unter 70 % Begabung und immerhin mehr als 50 % Unehrlichkeit.

Noch liegt der Anteil der Bevölkerung, die sich als Unterschicht sieht mit 4 % sehr niedrig. Fast zwei Drittel der Befragten sahen sich in einer guten oder sogar gehobenen Wohlstandszone.

Diese Zahlen enthalten allerdings erheblichen Sprengstoff. Es ist absehbar, dass sich durch objektive Verschlechterungen wie sie in der aktuellen Finanzkrise zu erwarten sind, sowohl der Realanteil der armen Menschen erhöhen wird, wie auch die subjektive Unzufriedenheit noch höhere Rekordwerte erreichen kann.

Torschlusspanik bei der Abwrackprämie

8. February 2009

Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet, doch bereits jetzt herrscht Torschlusspanik bei der Abwrackprämie. Ganz Deutschland liegt im Prämienfieber, die Autohäuser können sich vor dem Ansturm nicht mehr retten. Die Krise der Automobilindustrie ist über Nacht ersetzt worden durch eine Krise der Autokäufer.

2500 € die die Welt verändern

Die Idee war simpel und in anderen Ländern bereits erprobt: ein altes Auto verschrotten, ein neues kaufen, damit gleichzeitig die Umwelt schonen und der Industrie helfen. Ein einfaches Konzept, das von den Käufern sofort verstanden wurde. Allerdings scheint der Betrag von 2500 € doch etwas großzügig gewesen zu sein, denn aus dem Bombengeschäft für die Kunden scheint nun ein Bombengeschäft für Händler und Industrie zu werden.

Warteschlangen in Autohäusern

Das gab es schon lange nicht mehr, ein Massenansturm in den Autohäusern. In der Tat ist es derzeit kaum möglich, ein neues Auto zu kaufen. Zumindestens die Hersteller von Kleinwagen haben lange Wartezeiten für ein Beratungsgespräch. Warteschlangen statt leerer Autohäuser – das Gesetz zeigt seine Wirkung. Allerdings ist jetzt höchste Vorsicht geboten, denn der scheinbare Vorteile verspricht sich zum Null-Summen-Spiel zu ändern.

Sinkende Rabatte und steigende Preise

Vor Weihnachten konnte jeder zahlungswillige Käufer mit wenigen Worten in seinem Autohaus einen schönen Rabatt aushandeln. Dem ist nun nicht mehr so. Natürlich gibt es Sonderaktionen, Sondermodelle und Rabatte. Nur sind sie eben nicht mehr so hoch wie früher. Zwar lag im Januar der durchschnittliche Rabatt angeblich  immer noch bei 16 % wie im Vormonat, dies dürfte aber nur noch für den Anfang und Mitte des Monats Januar gelten, wo sich die Hersteller und Händler noch nicht umgestellt haben. Der Händlerverband spricht nun auch von Rabatten im einstelligen Bereich. Gleichzeitig nutzen die Hersteller die Chance, die Preise zu hören.

Die Gier straft die Käufer

Letztlich profitieren Händler und Hersteller davon, dass die gierigen Käufer mit der Prämie vor Augen das Rechnen aufgegeben haben. Natürlich ist ein Zuschuss von 2500 € eine attraktive Angelegenheit. Nimmt man aber einem Preis von etwa 20.000 € für einen mittleres Auto an, so sind dies nur etwas mehr als 10 %. Dafür verzichtet man im Gegenzug auch auf einen Wiederverkauf des Autos oder die in Zahlungnahme des Autos.

Fragwürdige Umweltfreundlichkeit

Auch das Argument der Umwelt ist kritisch zu betrachten. Natürlich ist es so, dass eine alte Dreckschleuder mehr Benzin verbraucht und CO2 produziert, als ein sparsamer Neuwagen. Allerdings sollte auch berechnet werden, das für die Produktion eines neuen Wagens erhebliche Ressourcen verbraucht werden, die sicher nicht immer durch die Einsparungen des Neuwagens ausgeglichen werden.

Abwarten ist derzeit die beste Alternative

Wer jetzt noch glaubt ein günstiges Auto plus Rabatt zu erhalten, wird sicher  enttäuscht. Das Kontingent von 600.000 Autos ist sicherlich groß genug, um noch für eine ganze Weile zu reichen. Anstelle sich in die Warteschlange einzureihen, sollte man lieber etwas warten. Zumindesten solange das Fahrzeug noch funktioniert, kann es durchaus wirtschaftlicher sein, noch ein Jahr länger zu fahren und die dann mit Sicherheit eintretende Nachfrageschwäche abzuwarten, in der Autohändler wieder Kunden benötigen. Denn eines ist sicher, es handelt sich hier um wesentlichen um vorgezogene Käufe, denen mit Sicherheit eine Nachfragedelle folgen wird. Eile ist jetzt nicht geboten!

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